Techniken

ANALOGE LIVE TRICKFILM-ANIMATION

Bei meinen Auftritten schaut das Publikum einen Film und sieht gleichzeitig, wie dieser hergestellt wird. Mich interessiert die Schnittstelle zwischen Performance und Kino. Dafür habe ich die „Magic Machine“ entwickelt: Eine Apparatur, die sich spielen läßt wie ein Musikinstrument – mit dem Unterschied, daß dabei keine Klänge entstehen, sondern bewegte Bilder. Die Apparatur besteht aus einer Miniaturbühne, die von einer Videokamera abgefilmt wird. Das aufgenommene Bild wird live von einem Projektor auf eine Leinwand projiziert. Die Miniaturbühne wird von mir manuell bespielt, alles was vor der Kameralinse passiert, ist analog und mechanisch.
Ich verwende diverse Geräte und Gegenstände beim live Animieren: Papierobjekte, unterschiedliche Lampen, Spiegel, elektrische Drehteller, kleine Objektbühnen, Transformatoren und Dimmer.

Die Hauptelemente der „Magic Machine“

Objektbühne

Vor der Kamera befindet sich ein Sockel, dessen waagerechte Oberseite an der Unterkante des Bildausschnittes ausgerichtet ist. Auf dieser 10cm² großen Spielfläche werden Papierobjekte platziert und bewegt. Die Schärfe der Kamera ist auf die Mittelachse des Sockels eingestellt. Alles davor und dahinter befindet sich im Unschärfenbereich. Durch das hintereinander Staffeln der Objekte ergibt sich der Effekt einer starken Raumtiefe.

Objekte & Figuren

Die Objekte, die vor der Kameralinse animiert werden, sind Ausschnitte aus Zeichnungen und Collagen, teilweise perforiert oder mit farbigen transparenten Elementen. Abhängig davon, wie die Figuren in der live Situation beleuchtet werden, sind entweder die Zeichnungen und Collagen auf den Objekten zu erkennen oder nur die dunklen Silhouetten der Objekte.

Modifizierter Plattenspieler

Hinter dem Sockel befindet sich ein modifizierter Plattenspieler. Die Drehgeschwindigkeit und die Drehrichtung kann geändert werden. Auf den Plattenspieler werden zylindrische Objekte gestellt, wodurch visuelle Loops entstehen.

Transparentbilder

Die zylindrischen Objekte sind von innen und aussen bemalt, um den Effekt von Transparentbildern, welcher bei diversen präkinematografischen Vorführgeräten verwendet wurde zu erzeugen, z.B. beim „Chinesischen Feuerwerk“, beim „Diaphanorama“ oder beim „Polyorama Panoptique“.

Pepper’s Ghost

Zwischen der Kameralinse und der Miniaturbühne ist in einem 45° Winkel eine durchsichtige Scheibe montiert, durch welche die Kamera hindurch filmt. Wird ein Objekt unterhalb der Scheibe platziert und beleuchtet, erscheint dessen Spiegelung auf der Scheibe und überlagert sich in der Projektion mit der Bildkomposition auf der waagerechten Miniaturbühne. Dadurch sind analoge Überblendungen möglich, dem Filmschnitt ähnliche Szenenwechsel, Titel Einblendungen oder die Illusion von Regen und Nebel.